Auf der Alm wird gezeigt, was möglich ist

 

Ausblick auf 30-Jahr-Jubiläum Gailtaler Almkäse und Wolfsdynamik waren Themen bei Generalversammlung des Almwirtschaftsvereins.

 

Dort, wo vor 30 Jahren das erste erfolgreiche EU-Projekt Kärntens zur Entwicklung ländlicher Regionen erarbeitet wurde, findet heuer der Landesalmwandertag statt. Er ist dem 30-Jahr-Jubiläum des EU-Markenschutzes für den Gailtaler Almkäse gewidmet und führt am 18. Juli auf die Reisacher Jochalm, wo der offizielle Almkäseanschnitt feierlich zelebriert wird. Bei der Generalversammlung des Kärntner Almwirtschaftsvereins in Weißenstein zeigte Elisabeth Buchacher, Obfrau des Vereins Gailtaler Almkäse g.U. auf, „was möglich ist“ und Markus Salcher, Bürgermeister der Gemeinde Kirchbach, wies gemeinsam mit Almobmann Werner Baurecht im Hinblick auf die Kooperation von Landwirtschaft und Tourismus darauf hin, dass es in kleinen Regionen besonders wichtig sei, sich gegenseitig wertzuschätzen und gemeinsame Ziele zu verfolgen.

Über erstmalig wieder gestiegene Auftriebszahlen von 176 GVE auf insgesamt 37.249 GVE mit einer Zunahme von 228 Pferden freute sich Josef Obweger, Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereins, der auf einen Almsommer 2025 mit sehr kaltem Mai, sehr heißem, trockenem Juni und kühlem Juli zurückblicken kann. Immer noch sei Großraubwild das zentrale Thema, die Senkung des in der Berner Konvention und der FFH-Richtlinie verankerten Schutzstatus für den Wolf sei ein großer Erfolg, auch konnte man gemeinsam mit den Nachbarländern Bayern, Südtirol und Schweiz eine Resolution an EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall übergeben. Das aktuelle Problem, ausgelöst durch ein Auftragsgutachten des Wiener Tierschutzvereins, demzufolge Tiere außerhalb von Unterkünften gemäß Tierschutzgesetz vor „Raubtieren“ zu schützen seien, streifte Obweger. Ein Gegengutachten sei in Arbeit, sagte Agrarreferent Martin Gruber. „Tierschutzorganisationen stellen den Schutz eines Tieres über den Schutz aller anderen, das ist nicht richtig“.

Die Risse seien 2025 auf 127 gestiegen, es habe 36 Nachweise gegeben, führte Geschäftsführer Josef Brunner in Vertretung des erkrankten Wolfsbeauftragten des Landes, Roman Kirnbauer, aus. Dank Zuzug aus Italien gebe es vier Rudel in Kärnten. 13 Wölfe wurden legal erlegt. Bei Auffindung von Kadavern sei sofort die Riss-Hotline anzurufen, appellierte Brunner.

Weitere Themen waren der leichtfertige Umgang mit der Bezeichnung „Alm“ bei Lebensmitteln, was zu einer Täuschung der Konsumenten führe, das zugunsten der Almbauern gefällte OGH-Urteil im Konflikt zwischen Wanderern und Weidevieh auf der Turrach, aktuelle Laserscandaten zur Feststellung der Almweidefläche, der Erfolg des Projektes „Gemeinnütziges Arbeiten auf Almen“, wo auf 30 Almen schon 4000 Arbeitsstunden von Langzeitarbeitslosen geleistet wurden, die Übernahme von Restkosten bei einer Hubschrauberbergung und die gelungene Öffentlichkeitsarbeit am Beispiel von „Almgeschichten aus Kärnten“ in ORF III mit 100.000 Zusehern.

 

„Landwirtschaft und Tourismus müssen zusammenspielen“

Wert der Kulturlandschaft für Gesundheit und Ernährung wurde in Referat beleuchtet.

 

„Die Gastronomie kauft sehr wenig Lebensmittel aus Österreich“, sagte Hannes Royer, Bio-Bergbauer und Gründer des Vereins „Land schafft Leben“, der durch fundierte Recherchen, die auf zahlreichen Kanälen veröffentlicht werden, Ernährungsbildung und Konsumkompetenz fördert. In seinem Referat bei der Generalversammlung bezeichnete er die Almen als Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Tourismus. „Der Tourismus wirbt mit der überwiegend von Bauern gestalteten schönen Landschaft, aber zum Großteil liegt Österreich nicht auf dem Teller“. Das hätten Untersuchungen bei den Gastro-Großhändlern Metro und Transgourmet ergeben. „Es herrscht eine starke Nachfrage nach Billigprodukten. Das senkt die Qualitätsstandards“. Der steirische Backhendlsalat sei meist nicht aus heimischen Zutaten, auch bekannte Restaurants beziehen das Kalbfleisch für das Schnitzel aus holländischen „Agrarfabriken“. (verwenden das bekannte Wiener Restaurant Figlmüller verwende Kalbsschnitzel aus holländischen Fabriken mit Millionen Kälbern.)

Mit regionalen Produkten punkte die hochpreisige Spitzengastronomie, aber die Abnahme betrage nur fünf Prozent. „Wir Bauern müssen darauf bestehen, dass Gastronomie und Hotellerie bei uns einkaufen, sonst werden wir nicht überleben“, zeichnete Royer ein düsteres Bild. Dem drohenden Verlust der kleinstrukturierten Landwirtschaft müsse man mit Bewusstseinsbildung entgegenwirken. Die von Bauern zur Verfügung gestellte Kulturlandschaft, die schon vor 8000 Jahren durch Rodung finsterer Wälder und Besiedelung geschaffen wurde, sei besonders wertvoll. In dieser   halboffenen Landschaft fühle sich der Mensch wegen der Ähnlichkeit mit seiner Urheimat, der afrikanischen Savanne, wohl, sagte Royer. Laut Untersuchungen habe ein Naturspaziergang mit Blick auf eine halboffene Landschaft einen hohen Erholungsfaktor. Deshalb sei die Alm, deren Bewirtschaftung für Artenvielfalt sorge und vor Naturgefahren schütze, so wichtig. Das Zusammenspiel von Landwirtschaft und Tourismus müsse auf neue Füße gestellt werden.

„Nur wenn wir den Druck erhöhen, wird die Gastronomie umdenken“, meinte Landwirtschaftskammer-Präsident Siefgried Huber und forderte die verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Dann könne der Gast entscheiden. Nur mit Transparenz und Ehrlichkeit könne man dem Handelsabkommen Mercosur entgegentreten, pflichtete Martin Gruber bei. „Achtzig Prozent der Bevölkerung sind auf unserer Seite. Aber wir brauchen mehr als Lippenbekenntnisse“. Der Bauer solle die Kulturlandschaft erhalten, aber die Lebensmittelproduktion sei noch wichtiger. „Die nachfolgenden Generationen müssen eine Perspektive in der Landwirtschaft sehen“.